Dolmetscher für Geschäftstermine richtig auswählen und briefen.

03 May, 2024· Article by Maria Jones

Dolmetscher für Geschäftstermine richtig auswählen und briefen

Ein wichtiger Termin mit Geschäftspartnern aus dem Ausland steht an, und niemand möchte, dass Verhandlungen an Sprachbarrieren scheitern. Ein guter Dolmetscher macht aus einem holprigen Gespräch eine flüssige Verständigung. Ein schlecht gewählter dagegen kostet Zeit, Vertrauen und manchmal bares Geld.

Dieser Ratgeber zeigt, worauf Sie bei der Auswahl und Vorbereitung achten sollten.

Dolmetschen und Übersetzen sind zwei Berufe

Übersetzer arbeiten mit geschriebenen Texten und haben Zeit zum Nachschlagen. Dolmetscher übertragen gesprochene Sprache in Echtzeit und müssen zuhören, verstehen, speichern und sprechen, oft innerhalb weniger Sekunden.

Zweisprachig aufgewachsen zu sein, macht noch keinen Dolmetscher. Für ein lockeres Gespräch genügt vielleicht eine hilfsbereite Kollegin, für Vertragsverhandlungen braucht es ausgebildete Fachleute.

Die passende Dolmetschart wählen

Beim Konsekutivdolmetschen spricht die Person einige Sätze, macht eine Pause, und der Dolmetscher überträgt das Gesagte. Das eignet sich für kleine Runden, Werksführungen und Interviews, dauert aber etwa doppelt so lange.

Beim Simultandolmetschen wird fast zeitgleich übertragen, meist aus einer Kabine mit Kopfhörern. Es ist der Standard bei Tagungen, Vorstandssitzungen und Schulungen mit größerem Publikum.

Flüsterdolmetschen funktioniert, wenn nur ein bis zwei Personen Unterstützung brauchen. Bei kurzen Absprachen kann auch ein Telefon- oder Videodolmetscher die beste Lösung sein.

Fachwissen zählt

Ein Maschinenbau-Workshop, eine Gerichtsverhandlung und eine Produktpräsentation verwenden jeweils eigenes Vokabular. Fragen Sie deshalb nach Erfahrung in Ihrer Branche.

Wenn Sie mit französischsprachigen Partnern arbeiten, kann zusätzlich eine Französisch Übersetzung von Präsentationen, Angeboten und Protokollen sinnvoll sein, damit gesprochene und schriftliche Fassung zusammenpassen.

Je früher Sie Thema und Teilnehmer nennen, desto gezielter kann sich der Dolmetscher auf Begriffe und Abkürzungen vorbereiten.

Das Briefing entscheidet über die Qualität

Schicken Sie Agenda, Folien, Namen der Redner und ein kurzes Glossar mindestens einige Tage vorher. Erklären Sie das Ziel des Termins und mögliche heikle Punkte.

Wer den Zweck kennt, kann Formulierungen mit Bedacht wählen. Ein kurzes Vorgespräch kurz vor Beginn klärt letzte Fragen und vereinbart Zeichen für Rückfragen.

Technik und Räume nicht unterschätzen

Für Simultaneinsatz brauchen Sie Kabinen oder mobile Anlagen, Mikrofone und Empfänger. Bei Online-Terminen muss die Plattform getrennte Sprachkanäle anbieten.

Auch der beste Dolmetscher kann eine schlechte Tonqualität nicht ausgleichen. Testen Sie Mikrofone und Verbindung deshalb vorab.

Informationen zu Berufsstandards und Einsatzbedingungen bietet der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer, ein guter Ausgangspunkt für Organisatoren.

Teams für längere Einsätze

Simultandolmetschen ist geistig sehr anstrengend. Deshalb arbeiten Dolmetscher meist zu zweit und wechseln sich alle zwanzig bis dreißig Minuten ab.

Dauert Ihre Veranstaltung länger als eine Stunde, planen Sie mindestens zwei Personen pro Sprachkombination ein. An dieser Stelle zu sparen, rächt sich fast immer.

Auch kurze Gespräche brauchen Unterstützung

Nicht jeder Termin ist eine Konferenz. Schnelle Abstimmungen mit Lieferanten, Kundenanrufe und Supportfälle lassen sich oft per Telefon klären.

Der Beitrag Telefondolmetscher erklärt, wann diese Lösung sinnvoll ist und wie sie in der Praxis abläuft.

Vertraulichkeit und Neutralität

Dolmetscher erfahren häufig Preise, Strategien und persönliche Details. Wählen Sie Fachleute, die sich zu Verschwiegenheit und Unparteilichkeit verpflichten.

Fragen Sie nach einer schriftlichen Vereinbarung. Seriöse Anbieter beantworten solche Fragen ohne Zögern.

Kosten und Zeitplanung

Die Preise hängen von Sprachpaar, Einsatzart, Dauer und Vorbereitungszeit ab. Kurzfristige Anfragen und seltene Sprachen kosten meist mehr, also planen Sie früh.

Lassen Sie sich ein Angebot geben, das Reisekosten, Technik und Stornobedingungen ausweist. Das vermeidet Überraschungen auf der Rechnung.

Kulturelle Feinheiten im Raum

Ein erfahrener Dolmetscher überträgt nicht nur Wörter, sondern bemerkt auch, wenn eine Formulierung in der anderen Kultur zu direkt, zu locker oder missverständlich wirkt. Er kann Sie vor oder nach dem Termin diskret darauf hinweisen.

Sprechen Sie in kurzen, klaren Sätzen, vermeiden Sie Slang und Wortspiele und machen Sie Pausen zwischen Gedanken. So wird die Übertragung genauer, und Ihre Gäste können leichter folgen.

Wer deutlich spricht, bekommt eine deutlichere Verdolmetschung.

Typische Fehler bei der Planung

Zu den häufigsten Fehlern zählen eine zu späte Buchung, fehlende Unterlagen und zu lange Einsätze ohne Pause. Auch die Annahme, ein Teilnehmer könne nebenbei dolmetschen, führt regelmäßig zu Problemen.

Planen Sie außerdem Zeit für Rückfragen ein. Gute Dolmetscher fragen nach, wenn ein Begriff unklar ist, statt zu raten, und das schützt die Qualität des Gesprächs.

Legen Sie schließlich fest, wer Ansprechpartner vor Ort ist. Das erspart Dolmetschern die Suche nach Technik, Unterlagen oder Raum.

Nach dem Termin

Viele Gespräche setzen sich schriftlich fort: Protokolle, Angebote und Verträge. Bitten Sie Ihr Team, Fachbegriffe aus dem Termin zu sammeln und in ein gemeinsames Glossar zu übernehmen.

So bleiben gesprochene und geschriebene Sprache später konsistent, und künftige Termine starten mit besserer Grundlage.

Wann sich ein zweiter Blick lohnt

Bei besonders wichtigen Terminen wie Vertragsabschlüssen, Audits oder Pressekonferenzen kann es sinnvoll sein, zusätzlich eine zweite Fachperson mithören zu lassen. Sie achtet auf Zahlen, Namen und rechtlich relevante Aussagen und ergänzt, wenn etwas fehlt.

Dieser Zusatzaufwand ist gering im Vergleich zu den Folgen eines Missverständnisses, das erst Wochen später auffällt.

Kurz gesagt

Gutes Dolmetschen beginnt vor dem Termin: mit der richtigen Einsatzart, einem fachkundigen Team, einem klaren Briefing und funktionierender Technik. Wer das beachtet, kann sich im Gespräch ganz auf Inhalte konzentrieren statt auf die Sprache.